Hodlers Anliegen

Hodlers Anliegen ist es, mit seiner Kunst die Idee der Einheit, die der Natur innewohnt, sichtbar zu machen. Dabei handelt es sich um eine Einheit, an der Erde und Himmel gleichermassen teilhaben. In unserem Bild kommt dies darin zum Ausdruck, dass die Farben des Himmels sich im See spiegeln, was man übertragen als Spiegelung des Jenseits im Diesseits deuten kann. Hodlers Idee der Einheit entspricht seiner Vorstellung von Gott. In diesem Sinne kann man seine Landschaftsbilder auch als Gottesbilder lesen, womit er in der Tradition von Romantikern wie Caspar David Friedrich oder Philipp Otto Runge steht, die ihre Naturbilder als Zeugnisse einer Ahnung von Gott beschreiben.

Einheit von Himmel und Erde

Die Einheit von Himmel und Erde bringt Hodler oft auch auf die Weise zum Ausdruck, dass er seine Bergbilder oder Seelandschaften mit einem Wolkenkranz einfasst, der diesen gleichsam einen Heiligenschein verleiht. Das eigentliche Lebensthema Hod­lers, das sich durch sein ganzes Werk zieht, ist die Auseinandersetzung mit dem Unendlichen, womit er ebenfalls, wie mit dem Begriff der Einheit, letztlich Gott meint. Dieses Leitthema spiegelt sich in Bildtiteln wie «Aufgehen im All» oder «Communion avec linfini». Noch in seinen letzten Jahren arbeitete er im Auftrag der Zürcher Kunstgesellschaft an einem grossformatigen Figurenbild für das Treppenhaus im Kunsthaus Zürich, das den Titel «Blick in die Unendlichkeit» trägt. In Verbindung mit dem Ort liegt es nahe, das Bild als Metapher für die Kunst zu deuten. Nach Hodlers Auffassung ist es die Aufgabe der Kunst, Blicke ins Unendliche zu ermöglichen, die Augen für das Unendliche zu öffnen.

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